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Aufnahme, Schutz und Reintegration von Straßenkindern in Goma, D.R. Kongo

Sozialteam holt Kinder von der Straße

Abschlussbericht

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo ist besonders von den jahrzehntelangen Konflikten im Land betroffen. Der Krieg um die Ressourcen in diesen an Rohstoffen und fruchtbaren Gefilden reichen Land, ethnisch aufgeladene Konflikte, marodierende Rebellengruppen und die fehlende Infrastruktur haben zu einer katastrophalen Instabilität in der Region geführt. Anfang 2025 wurde die Stadt Goma am Kivu See von den M23 Rebellen eingenommen, die dann eine eigene Lokalregierung eingerichtet haben. Die M23 schlossen die Flüchtlingslager und schickten die Menschen völlig mittellos in ihre oft zerstörten Heimatdörfer zurück. Viele Familien wurden dabei getrennt. Seither ist die Lage in Goma eher ruhig, aber die Menschen leben weiterhin in prekärer Situation, wozu zerstörte Gesundheitseinrichtungen, geschlossene Banken und hohe Preise für Waren beitragen. Die Zahl der Straßenkinder ist massiv gestiegen – sei es auf Grund der verschiedenen Fluchtbewegungen, der Vertreibungen oder der extremen Armut. Bestehende Familien kämpfen ums Überleben und können die Schulgebühren für ihre Kinder nicht bezahlen.

 

Gruppentherapie für traumatisierte Kinder

Das Maison Gahinja ist das Straßenkinderzentrum der großen Jugendhilfeeinrichtung Don Bosco Ngangi in Goma. Zu diesem Zentrum gehört ein Wohnheim für Straßenkinder sowie eine Brückenschule. Regelmäßig sucht das Sozialteam des Maison Gahinja Kinder auf der Straße auf, um sie zu sensibilisieren, zu identifizieren und Hilfe anzubieten. Im Schuljahr 2024-2025 sprach das Sozialteam mit 678 Kindern und Jugendlichen auf der Straße. 85% von ihnen waren Jungen. Die angesprochenen Kinder kamen auch zu den sogenannten Centre-Jours und brachten weitere Kinder mit. Diese Tage des offenen Zentrums konnten jedoch nur vor der Einnahme Gomas durch die M23 durchgeführt werden. Seither sind Versammlungen verboten. Straßenkinder in Goma haben nur begrenzt Zugang zu Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung, Kleidung und anderen lebensnotwendigen Dingen So versuchten die Centre-Jours einige der Bedürfnisse der Straßenkinder zu erfüllen und gleichzeitig die Kinder zu ermutigen, sich im Maison Gahinja aufnehmen zu lassen, sich auf den Mediations- und Familienzusammenführungsprozess einzulassen und wieder zur Schule zu gehen. Die Besuche auf der Straße durch das Sozialteam werden fortgesetzt. So können die Kinder auch unter den aktuellen Bedingungen unterstützt und begleitet werden. Sie kommen jetzt einzeln oder in kleinen Gruppen, um an Hilfe zu gelangen.

 

m Internat/ Heim des Maison Gahinja wurden im Jahr 2024-2025 insgesamt 153 Kinder (davon 36 Mädchen) aufgenommen. 89 von ihnen (davon 19 Mädchen) verbrachten fast das ganze Jahr im dort. 64 (davon 17 Mädchen) konnten dagegen sehr schnell wieder mit ihren Familien vereint werden, weil die Familien dazu bereit waren. Für die Wiedervereinigung mit den Familien mussten die Familien zunächst aufgespürt werden. Dafür musste zunächst eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind aufgebaut werden, damit es die relevanten Informationen in Bezug auf seine Herkunft und Situation preisgibt. Für vertriebene Kinder arbeitet Don Bosco mit den Mitgliedern des lokalen Netzwerks für Kindesschutz sowie mit den kommunalen Kontaktstellen der Gesundheitsbezirke in den Herkunftsorten der Kinder zusammen. Dies wird durch weitere Suchstrategien ergänzt, wie beispielsweise die Befragung von Reisenden an verschiedenen Parkplätzen entlang der Verkehrsachsen. Durch diese Aktivitäten konnten 98% der Familien gefunden werden. Auch nach der erfolgten Familienzusammenführung werden die Kinder und Familien weiterhin besucht, um festzustellen, ob das Kind gut integriert ist, ob es dem Kind gut geht und um auftauchende Probleme anzugehen.

 

Die Mehrheit der Straßenkinder hat Traumatisches erlebt: Vernachlässigung, Misshandlung, Ausbeutung, Gewalt oder Missbrauch, sei es in der Familie oder auf der Straße. Dadurch haben viele große Schwierigkeiten, sich in der Schule anzupassen und elterliche Zuneigung anzunehmen. Emotional Isolierte oder Traumatisierte werden psychologisch betreut, um ihnen zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten und sich besser in den (Schul-)alltag zu integrieren. Sie erhalten Einzel- und Gruppentherapie.

 

Die Brückenschule des Maison Gahinja hilft den Kindern, ihren Grundschulabschluss in kürzerer Zeit nachzuholen. Es gibt Vorbereitungsklassen (Niveau 0) und dann die Niveaus 1-3. Im Schuljahr 2024-2025 wurden 257 Kinder an der Brückenschule aufgenommen, darunter die Kinder im Internat. Die Kinder wurden auf fünf Klassen verteilt. 236 Kinder, darunter 88 Mädchen, haben das Schuljahr 2024–2025 abgeschlossen, von denen 212 Kinder, darunter 72 Mädchen, bestanden haben (entspricht 90%) und in höhere Klassen versetzt wurden. Die jüngeren können im Anschluss die Sekundarschule besuchen; die älteren werden in berufliche Ausbildungsgänge im Berufsbildungszentrum Don Bosco Ngangi und an anderen Orten vermittelt.

Programm am Centre-Jour

Angesichts der erlebten Gewalt durch den Krieg und der aktuellen Lage in Goma, die die Psyche der Kinder beeinträchtigt hat, haben die schulischen Leistungen nachgelassen. Deshalb wurden in Gahinja viele Freizeit- und Spielaktivitäten in Verbindung mit psychologischer Begleitung organisiert, um die Resilienz der Kinder zu stärken und so zur Verbesserung der Lernkapazitäten der Kinder beizutragen. Auch bei Besuchen bei den Eltern und bei Elternversammlungen wurden gemeinsame Strategien zur Stärkung der Resilienz festgelegt, um die schulischen Leistungen zu verbessern. Diese Maßnahmen waren erfolgreich.

 

Darüber hinaus wurde Sensibilisierungsveranstaltung für alle Kinder an der Brückenschule und auch für Elternteile organisiert. Diese Aktivität zielte darauf ab, das Verständnis für die Rechte und Pflichten der Kinder zu stärken, Die angebotenen Themen stießen auf großes Interesse, insbesondere bei Kindern, die familiäre Zerrüttungen, Ungerechtigkeiten beim Erbe oder Vernachlässigung in Pflegeeinrichtungen erlebt hatten. Eltern wurden zum Thema Kinderrechte, zu den Risiken, denen die Kinder auf der Straße ausgesetzt sind. sowie zum Thema finanzielle Eigenständigkeit trotz der aktuellen humanitären Lage sensibilisiert.

 

Es ist offensichtlich, dass ein Projekt von dieser Größenordnung nur mit einem gewaltigen Kostenaufwand durchgezogen und fortgeführt werden kann. Schließlich müssen für z.B. für Straßenarbeit, Wohnheim und Schule entsprechend Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter und Psychologen aktiv sein und entlohnt werden. Aber nicht nur Personalkosten, auch Verpflegung. Materialien und Gesundheitsfürsorge für die große Anzahl von Kindern schlagen zu Buche. Don Bosco Ngangi musste für dieses Projekt zur Aufnahme, Schutz und Reintegration von Straßenkindern im Jahre 2025 Ausgaben in Höhe von 145600 € tätigen.
Zur Finanzierung konnte der Verein Hilfe zur Selbsthilfe dritte Welt e.V. die Fördersumme von 21600 € beitragen.