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Stitch Ahead – Nähen für die Zukunft, Kapstadt

Update im Dezember 2025

Seit Anfang 2024 unterstützt unser Verein dieses Projekt. Im September/Oktober 2024 wurde die Regierung in Südafrika neu gebildet. Leider wurde dadurch die bereits zugesagte Unterstützung von kleineren Projekten gestoppt. Wie so oft trifft es leider Förderprojekte für Frauen zuerst. Uns  erreichte ein Hilferuf, dass die Finanzierung für die aktuelle Ausbildungsgruppe nicht mehr gesichert ist. Hier haben wir kurzfristig unterstützt, damit das Ausbildungsprogramm weitergehen kann. Auch angeregt durch diesen Hilferuf haben wir zusammen mit dem Bürgerbus Dossenheim ein gemeinsames Weihnachtsprojekt gestartet, um die Ausbildung der Näherinnen in Kapstadt zu unterstützen. Im Bus wurde eine Spendendose in Form einer Nähmaschine aufgestellt und es gab mehrere Sammelaktionen am Bahnhof oder am Rathausplatz bei den Markttagen. Ohne zu übertreiben, kann man diese Weihnachtsaktion als vollen Erfolg bezeichnen. Es kamen Spenden in Höhe von rund 3.800 Euro zusammen, so dass am Ende ein aufgestockter Betrag von 5000 Euro nach Kapstadt überwiesen werden konnte.  Wir haben durch diese Aktion sehr viel Dankbarkeit aus Kapstadt erfahren. Hierbei geht es nicht nur um das Geld, das ohne Zweifel dringend benötigt wird. Es geht auch darum, dass sich die Näherinnen mehr als gefreut haben, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die zwar 12.000 km entfernt wohnen, aber dennoch sich zusammenfinden, um zu unterstützen.

Folgende Nachricht hat uns Mitte 2025 erreicht:

„Während unserer Abschlussfeier habe ich Ihre Geschichte der Unterstützung und die wunderbaren Bilder, die Sie von dieser bezaubernden Nähmaschinen-Spardose geschickt haben, geteilt – es war eine inspirierende Botschaft für unsere Jugendlichen, die sich leider oft so „ungesehen“ fühlen.  …  , dass Menschen aus einer ganz anderen Welt, weit entfernt,  sicherstellen, dass sie (die Auszubildenden) hinter einer Nähmaschine stehen können. Ihre Ungläubigkeit und Freude über die Fotografien war etwas, das man sehen musste.“

Im November 2025 haben wir weitere Informationen über das Ausbildungsprogramm bekommen.

Ende 2025 Stitch ahaead – photographic evidence 100% der Näherinnen haben die Ausbildung abgeschlossen. Das ist in dieser Umgebung fast schon sensationell und zeigt, wie privilegiert sich diese jungen Menschen fühlen, dass sie so eine Ausbildung machen dürfen. Inzwischen sind über 60% der ausgebildeten Näherinnen schon in bezahlter Arbeit bei Unternehmen untergekommen und teilweise erhalten die Auszubildenden bereits einen Arbeitsvertrag noch während der Ausbildung.  Einige von Ihnen sind jetzt buchstäblich die Hauptverdiener in ihren Familien.

Die Anmeldungen für 2026 laufen natürlich bereits. Plätze werden nur an Studierende vergeben, die über ausreichende Lese- und Schreibkenntnisse sowie Zahlenverständnis verfügen, um die Anforderungen des Kurses zur Qualifikation zu bestehen. Mitte November 2025 sind bereits mehr als die Hälfte der Ausbildungsplätze für die erste Gruppe für 2026 vergeben.

Es ist eine Freude hier kund zu tun, dass dieses Projekt auch 2026 unterstützt werden wird. Es liegen bereits zweckgebunden Spenden dafür bereit, damit dieses gewährleistet werden kann.

 


November 2024

In der Salesianerschule für Jugendprojekte in Kapstadt gibt es seit zwei Jahren das Programm „Stitch Ahead“ für die Ausbildung von jungen Frauen als Näherinnen.

Im Rahmen einer Südafrikareise konnten zwei Familien aus Dossenheim, darunter auch die Vereinsmitglieder Martina und Herbert Debatin, die Salesianerschule „Salesian Institute Youth Projects“ in Kapstadt besuchen.
Wir konnten Vorort die Schule besuchen und auch die Lehrräume besichtigen. Besonders auffällig war, dass die Frauen einen sehr aufgeweckten und lebensfreudigen Eindruck gemacht haben. Die jungen Frauen haben sich sehr über unseren Besuch gefreut. Die Lehrräume sind zwar klein, aber gut ausgerüstet. Es gab kleinere, aber auch Industrienähmaschinen zum Lernen. Mit der Ausbildungsleiterin haben wir sowohl über die Ausbildung, als auch über die alltäglichen Probleme gesprochen. Überall gibt es Herausforderungen, die gelöst werden müssen. Angefangen vom sozialen Verhalten, das erlernt werden muss bis hin zum Schulweg und Verpflegung der Schülerinnen. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Ausbildung der jungen Frauen zwar ein sehr kleiner, aber ein wichtiger Baustein für die Überwindung der Armut hier in Südafrika ist. Man darf nicht vergessen, dass es meistens die Frauen sind, die für die Erziehung und Bildung innerhalb der Familie sorgen.

Die Ausbildung gliedert sich in zwei grundlegende Teile:

  1. Soziale und andere Fertigkeiten für das tägliche Leben zu erlernen

    Viele Frauen kommen aus den Slums. Hier ist das Leben geprägt von Gewalt und  Unterdrückung.
    In diesem Teil geht es darum miteinander zu lernen, einen regelmäßigen Lebensalltag „durchzuhalten“ und Konflikte ohne Gewalt auszutragen.

  2. Eine 12 wöchige Ausbildung als Näherin mit Abschlusszeugnis

    Die Schülerinnen erstellen in Gruppen einen eigenen Verhaltenskodex, der auf ihrem Life Skills-Training basiert. Die Aufgabe dient auch als „Eisbrecher“ für das Team, wenn es an seinen Fähigkeiten zum Sprechen in der Öffentlichkeit arbeitet. Selbstvertrauen lernen durch die gegenseitige Präsentation ihrer Arbeit.
    Auch in Gruppen entwerfen und basteln die Schülerinnen Papierkleider. Dies ist eine ausgezeichnete Aufgabe, da sie Kreativität und Fantasie entfesselt.

    Handnähen – das Nähen mit Nadel und Faden wird geübt; Sie sticken Quadrate mit Laufstich und Rückstich.

    Der Senior Designer des Lehrerteams zeigt den Schülern, wie man einfache Dekorationen wie z.B. eine Blume aus Stoffresten herstellen kann. Diese können dann z.B. zu Röcken, Schürzen, Tragetaschen etc. hinzugefügt werden.

    Die Schülerinnen werden mit Teilen der Nähmaschine vertraut gemacht.

    Der Laufstich und der Rückstich werden in der Maschinennäherei eingeführt.

    Verständnis im Umgang mit der industriellen Nähmaschine im Vergleich zur Haushaltsmaschine.

    Üben, üben, üben an den Maschinen! Gerade Linien, gebogene Kanten und scharfe Spitzen.

    Die Schülerinnen beginnen mit der Herstellung ihrer Schnittmuster für ihre wiederverwendbaren Damenbinden.

    Das Nähvokabular wird ausführlich gelehrt – es ist wichtig, dass jede Schülerin es versteht und sich damit vertraut macht. In den ersten Wochen wird der Wortschatz täglich getestet, um Vertrautheit und Verständnis für den Unterricht sicherzustellen. Danach kann mit der Herstellung von Kleidungsstücken begonnen werden.

    Zusätzlich zum Nähen der wiederverwendbaren Damenbinden: Diskussionen über Hygiene, Periodenarmut (Armut durch hohe Kosten für Hygieneartikel) und Nachhaltigkeit.

    Im weiteren Verlauf der Ausbildung erlernen die Schülerinnen das Maßnehmen, das Anfertigen von Schnittmustern mit korrekter Beschriftung und stellen dann daraus Kleidungsstücke für sich selbst her, welche sie bei der Abschlussfeier vorführen dürfen.

Die fertigen Kleidungsstücke werden von einem externen Fachmann begutachtet.

Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung werden die Abschlusszeugnisse in feierlichem Rahmen überreicht.

Der Vorstand beschloss einstimmig, als Soforthilfe EUR 3.000 für die Ausbildung von Näherinnen zur Verfügung zu stellen.

Zusätzlich wird der Erlös der gemeinsamen Weihnachtsspendenaktion des Vereins Bürgerbus Dossenheim und Hilfe zur Selbsthilfe Dritte Welt e.V. diesem Projekt zugute kommen.